Mrz
15
2010

Gestern war Formel 1 – Formel 1 war gestern!

Ich glaube es ging mir gestern wie vielen Menschen: Ich freute mich riesig auf die neue Formel 1 Saison. Michael Schumacher, DER Rennfahrer nicht nur meiner Generation, ist wieder zurück. Zwar haben wir schon seit zwei Jahren mit Sebastian Vettel einen Fahrer, der das Potential hat ebenfalls einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, aber er ist einfach kein Michael Schumacher mit all seinen Facetten.

So kam es auch, daß mich die Pole von Vettel zwar freute, aber ich doch mehr in die vierte Startreihe linste. Hier stand der siebenmalige Weltmeister, der auf Anhieb nach drei Jahren Abstinzen und mit dem höchsten Alter auf Platz sieben fuhr. Trotzdem war ich enttäuscht, denn bewußt naiv hoffte ich, daß er direkt vorne landet. Bei keinem anderen wären meine Erwartungen so hoch gewesen, aber es ist eben nicht irgendein Rennfahrer, sondern Michael Schumacher.

Gespannt fieberte ich dann am Sonntag dem Rennen entgegen. Im Hinterkopf hatte ich die Regeländerung, daß nicht mehr nachgetankt werden darf. Was das jedoch für eklatante Folgen hat, wurde mir erst (oder bereits) in Runde zwei bewußt: Das ganze Feld fährt tatsächlich im Entenmarsch um die Rennstrecke. Ich habe noch nie so ein ätzend langweiliges Rennen gesehen. In der Spitze wurde nicht überholt, auf den billigen Plätzen ab Rang 14 aufwärts ist es mir egal, was passiert – die fahren ja eh nur um die goldene Ananas. Dadurch, daß lediglich ein planmäßiger Boxenstop stattfindet, der mittlerweile in unter vier Sekunden abgerissen wird, entsteht kein taktisches Geplänkel mehr. Vorher war interessant, in welcher Runde jemand an die Box muß, ob dann der Hintermann in drei schnellen Runden, bis er selbst an die Box muß, genug Vorsprung bei freier Fahrt herausfahren kann, so daß er vorne bleibt. All das wurde genommen, stattdessen wird die Formel 1 kaputtgeregelt. Das interessanteste an einem Rennwochenende ist das Qualifying. Hier wird ausgemacht, wer den schnellsten Wagen hat. Verhaut man dann nicht den Start, kommt man genau mit dieser Platzierung ans Ziel. Alternativ kann man natürlich auf einen Defekt oder gar auf einen Unfall hoffen, was perverser nicht sein könnte. Aber vielleicht dachte sich die FIA auch, daß man durch grottenlangsame Rennwagen das ganze durch riskante Überrundungen auffrischen kann. So war der Letztplatzierte beim Qualifying mehr als 10 Sekunden langsamer als die Spitze. Als die Kommentatoren diesen auch noch lobten, da der arme Kerl zum ersten mal überhaupt eine Runde mit seiner Karre drehen konnte, wurde mir bewußt, wie tief die Formel 1 mittlerweile gesunken ist. Zum Glück oder leider schied die Gurke im Rennen dann recht früh aus. Ich frage mich in dem Zusammenhang echt, ob ein DTM-Rennwagen ebenfalls 10 Sekunden langsamer als der F1-Wagen wäre – wenn nicht, könnte man das ganze Team doch durch eines aus der DTM ersetzen – Ralf Schumacher böte sich doch an. Dadurch wäre die F1 wenigstens kurios.

Was sich die FIA jedenfalls bei der Regeländerung gedacht hat, bleibt mir schleierhaft. Diese gähnende Langeweile muß doch vorhersehbar gewesen sein. Da hilft auch kein Michael Schumacher mehr.

Written by Sebastian in: Allgemein |

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